Qualität

 

 

UTT
Abbildung:
Qualitätskontrolle auf einen Blick
Das Universal Test Target (UTT) soll das Qualitätsmanagement bei Massendigitalisierungen revolutionieren.


Die Sicherstellung von gleichbleibender hoher Qualität bei anspruchsvollen Massendigitalisierungen von Bibliotheks- und Archivbeständen war bisher sehr arbeits- und zeitintensiv und damit teuer und fehleranfällig. Außerdem fehlt es nach wie vor an einer Praxis, die die vergleichbare Anwendung nationaler und internationaler Standards gewährleisten würde.

Mit dem OS QM-Tool bietet Zeutschel nun eine Software, die es ermöglicht, mit der Auswertung eines einzigen Scans fast alle relevanten Qualitätsmerkmale zu analysieren und anhand auswählbarer Standards zu bewerten. Die direkte Einbindung in die Scansoftware ermöglicht darüber hinaus die Sicherstellung der Qualität schon während des Scanprozesses.

Hoher Arbeitsaufwand
Die hochwertige Digitalisierung umfangreicher Bestände zeitgeschichtlich relevanter Dokumenten gehört immer häufiger zu den routinemäßigen Alltagsaufgaben von Bibliotheken, Archiven und Museen. Um originalgetreue digitale Reproduktionen der oft einzigartigen historischen Vorlagen zu generieren, kommen Aufsichtsscanner mit der neuesten Generation zum Einsatz.

Die Ansprüche an diese Geräte sind hoch. Eine gleich bleibend exzellente Darstellungsqualität ist ebenso unverzichtbar, wie eine auf weitgehender Automatisierung der Betriebsabläufe basierende hohe Arbeitseffizienz. Um Veränderungen in der Bildqualität, hervorgerufen durch mechanische, elektronische oder optische Dejustierungen im Scannerbetrieb zu festzustellen, mussten bislang in regelmäßigen Abständen von Fachpersonal Prüfscans mittels mehrerer Kalibriervorlagen (so genannte Targets, vergleichbar Testbildern im Fernsehen) durchgeführt und ausgewertet werden.

Ein vergleichsweise zeitintensiver Vorgang, der auch noch zur Folge haben konnte, dass große Bestandteile wiederholt gescannt werden mussten. Erschwert wurde das Qualitätsmanagement zudem dadurch, dass es an allgemein anerkannten und standardisierten Parametern zur eindeutigen Beurteilung der Bildqualität fehlte. Eine Tatsache, die dazu führte, dass sich Verfahren mit proprietären Beurteilungskriterien, wie sie beispielsweise von der Nationalbibliothek der Niederlande in Den Haag im Rahmen der so genannten "Metamorfoze-Guidelines" festgelegt wurden, zu einem Defacto Standard für viele ähnlich gelagerte Bibliotheksprojekte in ganz Europa entwickelten.

Automatisierte Workflows schaffen
Aufbauend auf dem erarbeiteten Erfahrungsschatz und der internationalen Anerkennung, entschlossen sich die niederländischen Bibliotheksverantwortlichen das Verfahren zur Qualitätssicherung bei Digitalisierungsprojekten weiter zu entwickeln und zudem auf eine noch breitere Basis zu stellen.

Gemeinsam mit dem Branchenverband FMI e.V. (Fachverband für Multimediale Informationsverarbeitung e.V.) - federführend vertreten durch den Scannerhersteller Zeutschel und der Firma Image Engineering, einem Entwicklungs- und Testlabor für Bildanalysesoftware, stellte die Initiative jetzt das speziell für den Einsatz im Bibliotheksumfeld entwickelte Universal Test Target (UTT) vor. Die Kalibriervorlage beinhaltet  verschiedene Grauwert- und Farbdarstellungen, die umfassende Möglichkeiten der Bildqualitätsbeurteilung bieten .

"Mit Hilfe des neuartigen Testcharts können alle relevanten Parameter mit nur einem einzigen Scan erfasst werden. Ein entsprechendes Tool kann diese Parameter analysieren und innerhalb weniger Sekunden feststellen, ob ein Bild dem geforderten Standard entspricht oder nicht. So ist es möglich, die Qualitätskontrolle zu automatisieren und sie "in-line" im Produktionsvorgang und nicht mehr in einem zur Produktion parallelen Prozess", erläutert Volker Jansen, Entwicklungsleiter bei Zeutschel.

Neues UTT Analyse-Tool
In welchem Maße insbesondere die automatische Auswertung des UTT durch eine Analysesoftware die Qualitätssicherung künftiger Digitalisierungsprozesse verändern kann, wird am Beispiel einer von Zeutschel entwickelten Qualitätsmanagement (QM)-Lösung deutlich. Das Zeutschel ‚OS QM-Tool’ läuft unter Microsoft Windows Betriebssystemen und kann Scanner-unabhängig eingesetzt werden.

Im Gegensatz zu bisheriger  Bildanalysesoftware, die für den Laboreinsatz durch hochqualifiziertes Personal ausgelegt ist, orientiert sie sich konsequent an den bei Massendigitalisierungen im Bibliotheksumfeld ablaufenden Produktionsprozessen und den dortigen Anforderungen an das Personal. Grenzwerte für qualitätsrelevante Faktoren wie Schärfe, Auflösung, Rauschen, etc. können projektspezifisch vorab definiert und in Parameterdateien gespeichert werden. Nach dem Scannen des UTT wird die dabei erzeugte Datei automatisch analysiert, die ermittelten Messwerte werden mit den vordefinierten Grenzwerten verglichen und die Resultate in Form eines Ergebnisprotokolls sowohl am Bildschirm als auch in eine Datei ausgegeben.

"Bei regelmäßiger Anwendung des UTT, beispielsweise nach 100 oder 200 Scans, kann die Bildqualität der Digitalisate so kontinuierlich überprüft werden. Die Gefahr, dass größere Chargen aufgrund von Dejustierungen des Scanners zeitaufwändig wiederholt digitalisiert werden müssen, wird dadurch deutlich reduziert", so Volker Jansen.
Eine weitere Effizienzsteigerung bei der Qualitätskontrolle verspricht sich Volker Jansen von der Integration des UTT-Analyse-Tools in die vorhandene Zeutschel Capture-Software "OmniScan". Das Ergebnisprotokoll soll in diesem Fall - ebenfalls automatisiert - von der Scan-Software bewertet werden. Bei Überschreitung der vorgegebenen Grenzwerte kann die Scansoftware dem Operator sogar konkrete Hinweise auf mögliche Fehlerursachen und Empfehlungen für deren Behebung liefern, was eventuell notwendige Nachjustierungen deutlich beschleunigen würde. Eine derartige Kombilösung für Zeutschel Scanner soll nach Jansens Worten bereits in Kürze optional verfügbar sein.

UTT ist ein offener Standard, die technischen Spezifikationen sind über die kürzlich eingerichtete UTT-Web-Seite frei zugänglich. UTT-Kalibriervorlagen können u.a. bei Zeutschel bezogen werden. Die Resonanz auf die Initiative ist nach den Worten von Volker Jansen sowohl auf Hersteller- wie auch auf Anwenderseite durchweg positiv. "Zustimmende Reaktionen gibt es unter anderem aus Frankreich, England und den USA. Auch das zuständige ISO-Spezifizierungsgremium hat bereits reagiert und eine Ad-hoc Kommission ins Leben gerufen, die sich mit dem UTT beschäftigt", so Jansen.

Die mögliche Akzeptanz des UTT als ISO-spezifizierter Standard könnte die Initiatoren einem weiteren Fernziel näher bringen: Der Integration der UTT-basierten Qualitätskontrolle in die im Bibliotheksumfeld zum Einsatz kommenden Komplettlösungen zur Produktionsablaufsteuerung.

http://www.kb.nl/
http://fmi-ev.de/
http://www.zeutschel.de/
http://www.image-engineering.de/

Das Universal Test Target (UTT)
Auf der Kalibriervorlage befinden sich diverse Muster- und Verlaufsdarstellungen, farbig und in Grauwerten, die eine umfassende Analyse aller für die Bildbeurteilung relevanter Parameter erlauben. Beispielsweise wird die Untersuchung der Homogenität auf Weiß und Grau ebenso unterstützt wie die Untersuchung der Bildgeometrie beziehungsweise -verzeichnung. Durchgängige Skalen in Millimeter und Inch erlauben eine Überprüfung der Nenn-Auflösung in X- und Y-Richtung. Farbfelder ermöglichen die Erstellung von ICC-Profilen, geben Auskunft über die Farbtreue und erlauben eine Überprüfung des Farbraumes. Mittels einer Grauskala können neben einer Messung der Opto-Electronic Conversion Function (OECF) auch das Rauschverhalten und der Signal-/Rauschabstand ermittelt werden. Das Target erlaubt ebenfalls die Überprüfung der Auflösung bis zu 18 lp/mm, sowie die Ermittlung der Modulationsübertragungsfunktion (MTF) nach ISO 160-67-1 bis maximal 1.200 DPI.
Das UTT hat die Basisgröße DIN-A3 (420 x 300 mm), durch Vervielfältigungen können auch die Formatgrößen A2, A1 und A0 analysiert werden.

http://www.universaltesttarget.com/


 

 

 

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